Was Leah mir erzählt…

Teacher Leah arbeitet seit 18 Jahren in meiner Kita. In der Mittagspause sitze ich oft mit ihr zusammen und lausche ihren wunderbaren Geschichten. Geschichten über die Apartheid, wie das damals war als Schwarzer in Kapstadt…oder wie ihre Mutter sie nicht haben wollte, weil kein Geld da war und sie mit 15 alleine zurecht kommen musste. Oder wie sie sich selber Lesen und Schreiben beigebracht hat, weil sie von allen ausgelacht wurde! Mit offenem Mund sitze ich da und merke, dass die Geschichten, die man aus Filmen kennt oder die Vorstellungen, die man hatte vorher, wirklich existieren. Aber trotz ihrer Vergangenheit ist sie so lebensfroh und erzähl stolz von ihren eigenen Kindern. Und sie ist eine wunderbare Lehrerin! Heute hat sie mir eine Geschichte erzählt, von einem 3 jährigen Jungen, der einst in ihrer Klasse war. Er war stets still und hat nie mit den Kindern gespielt. Außerdem konnte er nicht richtig laufen und bewegte sich komisch und hatte seltsame Verhaltensweisen… und Leah wusste, dass irgendwas nicht stimmte. Sie redete mit der Mutter, aber diese wollte nichts hören!….eines Tages kam der Junge nicht mehr in die Kita. Und auch 1 Woche später nicht. Bis die Mutter des Jungen kam und meinte, dass ihr Kind gestorben sei. Niemand wusste, was passiert ist…alle waren traurig…auch Leah. Aber sie war zudem sehr böse. Böse auf die Mutter, die wusste, dass irgendwas mit dem Kind nicht stimmte, aber nichts unternommen hat. Hier kennen die Lehrer die Kinder besser als die Eltern! Die Eltern sorgen sich kaum um die Kinder. Viele können den Monatsbeitrag der Kita nicht bezahlen, aber nicht weil kein Geld da ist, sondern weil sie es lieber für Alkohol ausgeben, anstatt für die Kinder, für deren Schulbrot, für Windeln,…oder eben für einen Arztbesuch! Solche Geschichten beeindrucken mich und bringen mich zum Nachdenken…weil es ja eigentlich keine Geschichten sind, sondern hier die Realität. Helen, die Projektleiterin sagt immer, dass die Kids kleine „Survivor“ sind…so nach und nach versteh ich, was sie damit meint. Je besser ich die Kinder meiner Klasse kennenlerne und verstehen lerne, desto mehr interessieren mich auch die Hintergründe, das Familienleben, die Wohngegebenheiten der Kids… Von Problemen und Gegebenheiten hier in Afrika hört man oft. Aber für mich haben diese nun Namen und Gesichter! Tarryn hat als einzige in meiner Klasse keinen Rucksack und kommt mit einer Tüte in den Kindergarten. Clifton bekommt nie ein Brot mit in den Kindergarten, und während die anderen essen, sitzt er allein in der Ecke. Nicky hat seitdem ich hier bin blaue Flecken am Rücken und keiner weiß woher. Hendrick hat seit Ewigkeiten Läuse, aber seine Eltern schneiden ihm einfach nicht die Haare ab. Jaydene hat seit Tagen Textilfarbe auf ihrem Auge und keiner weiß wie das passiert ist. Es fängt an sich zu entzünden. Shanell riecht sehr unangenehm und hat kaum Kleidung. Sie wird alle 2-3 Wochen 1 Mal geduscht. Leanda lacht nie. Progress schlägt täglich andere Kinder und wenn man ihn fragt wieso, sagt er, weil Papa das mit mir auch macht! Und Lekesha ist gerade mal 2, wird nie vom Schulbus abgeholt und trottet ganz alleine den langen Weg vom Hof zu ihrer Farm,… Das sind kleine Dinge, aber das ist ja auch nur das, was ich täglich sehen kann als Außenstehender… Ich will diese Storys erzählen, weil sie mich berühren und ich deutlich machen will, an was für Kleinigkeiten es den Kindern hier fehlt. Und das ist nicht unbedingt ein Rucksack oder Kleidung…Umarmungen, Küsschen, neue Spielideen, singen, lachen!!!, und ein ganz persönliches „Good Morning Clifton“, Good Morning Shanell“ zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht! Ein Lächeln, was bei uns in Deutschland, viele Kinder nur noch dann haben, wenn es brandneue Spielsachen oder ein neues PC Spiel gibt…

9.10.12 17:47

Letzte Einträge: Zimt und Zucker., Alle verrückt hier., „Tande Borsel!!!“, What´s wrong with these parents?!!, Holidays? Just now.

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Andreas Kolleck (9.10.12 22:51)
Ja das ist wohl leider die Realität. Hey Jana, mach weiter so und hilf den Kleinen, dass sie öfter am Tag ein Lächeln im Gesicht haben. Zumindest so lange Du da bist.

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